Kyōto

Kyōto,
 
Kioto, Stadt auf Honshū, Japan, in einem Becken im zentralen Teil der Insel, Verwaltungssitz der Stadtpräfektur; (1998) 1,39 Mio. Einwohner; 15 Universitäten, zahlreiche Museen, botanischer Garten; Maschinenbau, chemische, Textil-, Nahrungsmittel-, Elektro-, Elektronik-, optische, Porzellanindustrie, traditionelles Kunsthandwerk; als Hauptzentrum der japanischen Kultur und des Buddhismus in Japan einer der wichtigsten Anziehungspunkte des Landes für den Fremdenverkehr; Verkehrsknotenpunkt, U-Bahn.
 
 
Das rechtwinklige Straßennetz wurde nach dem Vorbild der Tanghauptstadt Chang'an (heute Xi'an) symmetrisch angelegt. Vom Kaiserpalast aus dem 8. Jahrhundert ist nur noch ein Teil des (außerhalb davon gelegenen Shinsenen-)Gartens erhalten, die heutige Anlage ist im Übrigen aus dem 19. Jahrhundert.
 
Der Palast des Nijōschlosses (1603) besteht aus fünf stufenförmig aneinander gereihten Gebäuden, die durch äußere Gänge verbunden sind. Im Südwesten von Kyōto liegt die kaiserliche Villa Katsura (1620-24), ein bedeutendes Beispiel japanischer Wohn- und Gartenarchitektur, im Nordosten die kaiserliche Villa Shūgakuin (1659), die von drei Gärten mit Teepavillons umgeben ist.
 
In Kyōto gibt es etwa 1 500 buddhistische Tempelanlagen. Im Norden der Stadt, in den Bergen und am Fuß der Berge, befinden sich (von Westen nach Osten): der Seiryōji (mit einer Sandelholzplastik des Sakyamuni-Buddha, angeblich 987 geschnitzt und aus Indien über China nach Japan gebracht); die große Tempelanlage Ninnaji (886, Gebäude aus dem 17. Jahrhundert), mit fünfstöckiger Pagode und fünf Nebentempeln; Myōshinji (1337), eine axiale Anlage, umgeben von kleinen Klöstern mit Gärten; Ryōanji, 1473 erbaut, mit einem von Sōami angelegten Steingarten; Daitokuji (1324, Gebäude aus verschiedenen Epochen seit 1479); um die axiale Anlage mit Torgebäude, Buddhahalle und Lesehalle gruppieren sich Nebentempel und Klöster mit Zengärten.
 
Im Osten, vom äußersten Norden bis zum äußersten Süden, liegen u. a. die Tempel Sanzenin (um 800, Hauptgebäude mit bemalter Decke), umgeben von Landschaftsgärten des 17. Jahrhunderts; die Tempelanlage Enryakuji (788) auf dem Berg Hiei; die im 16. Jahrhundert zerstörte Anlage wurde im 17. Jahrhundert zum Teil wieder errichtet; der Ginkakuji (»Silberpavillon«, 1482) aus der Muromachizeit wurde aus einem Wohnhausbau entwickelt; leichte Veranden öffnen den Bau zu einer Gartenanlage; Chionin (1234 oder 1211, Torgebäude aus dem 17. Jahrhundert), mit der größten Tempelglocke Japans; Nanzenji (1293, Gebäude aus dem 17. und 19. Jahrhundert), umgeben von zwölf Nebentempeln; Malereien der Kanōschule; Kiyomizudera (798 oder 805), die Haupthalle (1633) ist ein Holzbau mit weit geschwungenem Zedernrindendach; Daigoji (874; die Pagode wurde 951, die übrigen Tempelgebäude im 17. Jahrhundert errichtet) mit Landschaftsgarten.
 
Südlich des Zentrums, von Westen nach Osten, folgen: der Tōji (796); er stellt den östlichen Eingangstempel der Kaiserstadt dar; die Gebäude (mit der höchsten fünfstöckigen Pagode der Erde) sind aus dem 16./17. Jahrhundert; Nishi Honganji (13. Jahrhundert); die große Tempelanlage gilt als bestes Beispiel buddhistischer Tempelarchitektur, die zum Teil hierher versetzten Bauten sind aus dem 17.-19. Jahrhundert, älteste Nō-Bühne in Japan; Sanjūsangendō (wieder gegründet 1266); die 119 m lange und 55 m breite Halle des Tempels ist eingeteilt in 33 Felder, symbolisch für die 33 Erscheinungsformen Kannons, mit einer tausendarmigen sitzenden und 1 000 stehenden Kannonstatuen.
 
Im Westen (von Norden nach Süden) die Tempel Kōryūji (622, Lesehalle von 1165), eine oktogonale Halle mit Statue des Prinzen Shōtoku; Saihōji (»Moostempel«, vermutlich im 12. Jahrhundert gegründet, im 14. Jahrhundert erneuert); Landschaftsgarten mit 40 Moosarten.
 
In Kyōto befinden sich über 200 shintoistische Schreinanlagen. Bedeutend sind u. a. (von Norden nach Süden) der Kamigamo- und der Shimogamoschrein: Die zwei etwa 3 km voneinander entfernten Anlagen stellen das Shintōheiligtum aus der Zeit vor der Stadtgründung (mit dem Berg Kōyama als Heiligtum) dar. Die Bauten wurden alle 21 Jahre erneuert, zuletzt 1863; der Heianschrein (1895 im Fujiwarastil erbaut) ist das Heiligtum zu Ehren der Kaiser Kammu und Kōmei; der Inarischrein ist ein Bergheiligtum mit verzweigtem Wegesystem, das durch dicht aneinander gestellte rote Torii zu einem »Tunnelgangsystem« von 4 km Länge wird; am Fuß des Berges die Schreinbauten (15. Jahrhundert), in denen als Hauptgottheit die Reisgöttin verehrt wird. — Die historischen Baudenkmäler und Gärten von Kyōto wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
 
In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts hat der Bauboom die Stadt sehr verändert. Zu den modernen Bauten führender japanischer Architekten gehören u. a. das Nationalmuseum für moderne Kunst von Maki Fumihiko (1986), das Modehaus Syntax (1990) und das Städtische Kunstmuseum (1995) von Takamatsu Shin sowie die Konzerthalle von Isozaki Arata (1995).
 
 
Kyōto (der »Residenzstadt« bedeutende Name wurde in der Meijizeit üblich) ging hervor aus der auf Befehl von Kaiser Kammu gegründeten und 794 vom kaiserlichen Hof bezogenen Residenzstadt Heian-kyō (Hauptstadt des Friedens); sie war für 500 000 Einwohner geplant. Nach ihr wurde die Ära bis 1185 bezeichnet. Die Stadt, im Wesentlichen wohl 805 vollendet, häufig auch »Miyako« (Kaiserliche Residenz) genannt, blieb bis 1869 Kaisersitz. Mit der Verlegung des Kaiserhofs nach dem heutigen Tokio schwand Kyōtos politische Bedeutung. - Nach dem Stadtbezirk Muromachi, 1338-1573 Sitz der Shōgunat-Reg., wurde eine weitere Epoche der japanischen Geschichte benannt.
 

Universal-Lexikon. 2012.

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